Zwei ATEX-Richtlinien
In der EU gelten zwei ATEX-Richtlinien (vom französischen „ATmosphères EXplosibles“):
- Richtlinie 2014/34/EU – für Hersteller. Sie legt Anforderungen an Geräte und Schutzsysteme für explosionsgefährdete Bereiche fest. Sie gilt seit dem 20. April 2016 und hat die Richtlinie 94/9/EG ersetzt.
- Richtlinie 1999/92/EG – für Arbeitgeber und Betreiber. Sie verlangt eine Bewertung der Explosionsgefahr, die Einteilung in Zonen und die Auswahl geeigneter Geräte.
Die Europäische Kommission veröffentlicht ausführliche Leitlinien zur Richtlinie 2014/34/EU. Die aktuelle, sechste Ausgabe stammt vom Januar 2026.
Explosionsgefährdete Zonen
Die Zonen legt der Betreiber des Geländes fest, z. B. eine Raffinerie oder ein Terminal – je nachdem, wie oft und wie lange eine explosionsfähige Atmosphäre auftritt:
| Gase, Dämpfe, Nebel | Stäube | Wann explosionsfähige Atmosphäre auftritt | Erforderliche Gerätekategorie |
|---|---|---|---|
| Zone 0 | Zone 20 | ständig, über lange Zeiträume oder häufig | 1 |
| Zone 1 | Zone 21 | gelegentlich, im Normalbetrieb | 1 oder 2 |
| Zone 2 | Zone 22 | selten und kurz, nicht im Normalbetrieb | 1, 2 oder 3 |
Kategorie 1 bietet ein sehr hohes Schutzniveau – das Gerät bleibt sogar bei zwei unabhängigen Fehlern sicher. Kategorie 2 bietet ein hohes Schutzniveau, auch bei üblichen Störungen, Kategorie 3 ein normales Schutzniveau im Normalbetrieb.
So liest man eine ATEX-Kennzeichnung
Beispiel: II 2G Ex ib IIC T4 Gb
- II – Gerätegruppe: II steht für Übertage-Industrie, I für Untertagebergbau.
- 2G – Kategorie 2, Gasatmosphäre (G); D steht für Staub.
- Ex ib – Zündschutzart: „i“ ist Eigensicherheit; weitere sind u. a. „d“ (druckfeste Kapselung), „e“ (erhöhte Sicherheit) und „m“ (Vergusskapselung).
- IIC – Gasgruppe: IIA (z. B. Propan), IIB (z. B. Ethylen), IIC (Wasserstoff, Acetylen) – die anspruchsvollste.
- T4 – Temperaturklasse: maximale Oberflächentemperatur 135 °C. Die Skala reicht von T1 (450 °C) bis T6 (85 °C).
- Gb – Geräteschutzniveau; Gb entspricht typischerweise Zone 1.
Prüfen Sie die Kennzeichnung immer anhand des Zertifikats und der Herstelleranleitung – dort stehen auch Grenzen wie die zulässige Umgebungstemperatur.
Braucht ein Tracker am Tankwagen ATEX?
Nicht immer – was viele Unternehmen überrascht. Laut den Leitlinien der Kommission (§ 234) unterliegen Fahrzeuge für Gefahrgut den ADR-Vorschriften (Richtlinien 2008/68/EG und 98/91/EG), nicht der ATEX-Richtlinie. Fährt ein Tankwagen auf öffentlichen Straßen und entsteht eine explosionsfähige Atmosphäre nur vorübergehend beim Be- und Entladen, gilt der ATEX-Ausschluss für das gesamte Fahrzeug mit seiner gesamten Ausrüstung – die Leitlinien nennen ausdrücklich Fahrzeugortungssysteme.
Anders ist es, wenn ein Fahrzeug oder Gerät in einer ausgewiesenen Ex-Zone arbeiten soll. Die Leitlinien weisen darauf hin, dass der Betreiber eines Geländes, etwa eines Terminals mit Zone 1, vom Transporteur ATEX-konforme Produkte verlangen kann. In der Praxis schreiben Raffinerien, Tanklager und Chemiewerke dies oft in ihre Verträge.
Wann eine Plombe oder ein Schloss mit ATEX sinnvoll ist
- Sie sichern Domdeckel und Ventile von Tankwagen mit Kraftstoff, Gas oder Chemikalien, die in Ex-Zonen einfahren,
- Sie überwachen Tanks, Container oder Schränke in einer Raffinerie, einem Terminal oder einem Chemiewerk,
- Ihr Kunde oder der Geländebetreiber verlangt ATEX im Vertrag.
ATEX-zertifizierte Geräte von STARCONT sind u. a. die Plomben AT10H, G-360N und G-508N sowie das Schloss G-300N. Bevor Sie ein Gerät für eine bestimmte Zone bestellen, vergleichen Sie dessen Kennzeichnung mit der dort geforderten Kategorie – fragen Sie uns nach dem Zertifikat des gewählten Modells. Mehr zu den Unterschieden der Plomben im Artikel Elektronische oder mechanische Plombe.